Start-Up Gründer Josef Glöckl:

„Wer jetzt nicht handelt, spielt mit den Leben seiner Mitarbeiter“


Das Start-Up-Fieber, gerne auch in Verbindung mit Crowdfunding, war lange Zeit ein amerikanisches Phänomen. Seit einigen Jahren gibt es auch in Deutschland eine Welle an Start-Ups. In diesem Zusammenhang hat sich auch eine neue Dienstleistungsgesellschaft entwickelt, die Gründer-Events, Crowdfunding-Kampagnen und Start-Up-Finanzierungsmodelle hervorbringt. Diese neue Lust am Gründen wird auch durch die Berichterstattung in TV und Web angefeuert, zum Beispiel durch Erfolgsformate wie „Die Höhle der Löwen“, in dem erfolgreiche und finanzstarke Investoren wie Frank Thelen und Carsten Maschmeyer Start-Ups bewerten und in diese investieren.

 

Meist handelt es sich bei den Gründern von Start-Ups um Berufsanfänger oder junge Umsteiger. Was aber bewegt einen erfolgreichen Unternehmer und Best Ager wie Josef Glöckl (74) dazu, die Risiken einer Start-Up-Gründung einzugehen? Und welche Chancen und Risiken gibt es, wenn man als CEO sowohl für ein etabliertes Mittelstandsunternehmen als auch ein Start-Up verantwortlich ist. Josef Glöckl steht Rede und Antwort und erzählt, wie er die Bürowelt verändern möchte.

Herr Glöckl, Sie sind bereits seit über 20 Jahren ein erfolgreicher Unternehmer, in einem F.A.Z.-Interview sprachen Sie sogar von zweistelligen Wachstumsraten Ihrer Firma aeris. Wieso dann noch ein Start-Up gründen?

Ich war schon immer ein sehr umtriebiger Mensch. Wenn Sie einen Blick auf meinen Lebenslauf werfen, dann war ich eigentlich ständig in Bewegung, bis ich vor ca. 20 Jahren aeris gründete und auch beruflich sesshaft wurde. Mit unserer 3D-Technologie, allen voran im swopper, haben wir sehr vielen Menschen geholfen, die negativen Folgen des übermäßigen Sitzens, vor allem im Büro, zu lindern. Der swopper hat das Sitzen revolutioniert und darauf bin ich sehr stolz.

 

Über die Jahre hinweg habe ich jedoch gemerkt, dass wir dem Idealzustand für ein menschengerechtes Arbeiten mit aeris-Produkten schon sehr nahe kommen. Ich habe mich immer weiter in die Materie vertieft und herausgefunden, dass die Ideallösung der Büroorganisation nur über die radikale Neuorganisation von Büros zu finden ist, die über die Verwendung von Sitzmöbeln hinausgeht. Es ist ungleich aufwändiger und mutiger, die komplette Arbeitsplatzgestaltung zu ändern. Ich hatte daher das Gefühl, dass die Story von ACTIVE OFFICE® in einer eigenen Firma erzählt werden muss.

Herr Glöckl, die Arbeitswelt ist permanent im Wandel, insbesondere die Digitalisierung bringt große Veränderungen mit sich. Sie sagen aber, es muss eine Revolution her. Warum?

Es ist richtig, dass sich viel verändert und vor allem immer schneller wird. Aber eine Sache ändert sich so gut wie überhaupt nicht: der Arbeitsplatz an sich. Egal wie jung, dynamisch oder innovativ ein Unternehmen ist, gearbeitet wird immer am Schreibtisch auf einem herkömmlichen Bürostuhl. Von den alteingesessenen Firmen und Konzernen ganz zu schweigen. Dort hält man sich an hoffnungslos veraltete Normen, die zuletzt Ende der 80er Jahre angepasst wurden. Daher sagen wir ganz klar: Wollt ihr auch künftig konkurrenzfähig sein und gesunde, leistungsfähige Mitarbeiter haben, muss es zu einer Workplace Revolution kommen.

Was ist falsch an der momentanen Bürosituation?

Büros sind so konzipiert, dass sie Bewegung verhindern; Bewegung wird als unnütze Zeitverschwendung erachtet. Es werden möglichst viele Schreibtische auf einer kleinen Fläche untergebracht. Um den Angestellten dennoch so etwas wie Komfort vorzugaukeln, werden Bürostühle mit Armstützen, Rückenlehne und manchmal sogar mit Kopfstützen angeschafft. Diese Stühle sind dann jahrelang im Einsatz – und gefährden den Erfolg der Unternehmen auf Kosten der Belegschaft.

Inwiefern?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bewegten sich die Menschen vor rund 100 Jahren noch mehr als 10km pro Tag zu Fuß, sind es heute nur noch erschreckende 700m – täglich! Daran trägt die heutige Arbeitsplatzgestaltung eine große Mitschuld. Herkömmliche Bürostühle sorgen dafür, dass Büroarbeiter für acht oder gar mehr Stunden nahezu bewegungslos sitzen. Die Sitzfläche ist starr, links und rechts verhindern die Armstützen Bewegung und dazu gibt der Bürostuhl auch nicht nach. Die Folge sind ernsthafte Haltungsschäden, die insbesondere die Bandscheiben und damit die Wirbelsäule in Mitleidenschaft ziehen. Die Büroarbeit macht die Menschen krank, teils sogar chronisch.

 

Rückenschmerzen sind jedes Jahr für mehr als 40 Millionen Fehltage in Deutschland verantwortlich und liegen beständig unter den Top 3 für Fehltage. Den Unternehmen geht extrem viel Wirtschaftskraft verloren, der Schaden ist enorm. Allein die 40 Millionen durch Rückenschmerzen verursachten Fehltage kosten die Unternehmen rund 21 Mrd. Euro – da sind die Kosten für die Krankenkassen noch gar nicht mit eingerechnet.

 

Der Schaden, den man seinem Körper durch das tägliche Sitzen zufügt, kann durch Ausgleichssport nicht wettgemacht werden. Der größte Schaden entsteht aber an der Physiologie des Menschen. Durch starres, langes Sitzen wird der Körper unwiderruflich geschädigt. Die Mikrozirkulation funktioniert nicht richtig, Organe werden nicht ausreichend ver- und entsorgt, die Atmung ist flach und der Mensch wird krank. Im Schnitt sterben Menschen die viel Sitzen um fünf Jahre früher an einer Zivilisationskrankheit gegenüber Menschen, die sich viel bewegen.

Viele Unternehmen setzen auf höhenverstellbare Schreibtische für mehr Bewegung.

Der Gedanke hinter der Investition in höhenverstellbare Schreibtische ist nett, doch er zielt am Problem des Bewegungsmangels völlig vorbei. Nur weil ich den Schreibtisch hochfahren und im Stehen an ihm arbeiten kann, bewege ich mich nicht mehr als vorher. Vielmehr wird das Problem verlagert: aus übermäßigem Sitzen wird übermäßiges Stehen – und das bringt ebenfalls ernsthafte gesundheitliche Gefahren mit sich.

 

Viele versuchen, den Bewegungsmangel durch mehr oder weniger regelmäßige Gänge ins Fitnessstudio auszugleichen. Doch wöchentlich 40 Stunden Sitzen lassen sich nicht durch 2-3 Stunden Fitness pro Woche ausgleichen, die Sitzbelastung ist um ein Vielfaches höher als die Bewegung nach der Arbeit. Circa 20 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten heute in Büros – und die meisten Büroarbeitsplätze sind so gestaltet, dass es keine Bewegung während der Arbeit für die Mitarbeiter gibt Das ganze Konstrukt Büroarbeitsplatz muss neu gedacht werden.

Wie sieht Ihre Workplace Revolution aus?

Studien belegen, dass jede Stunde Sitzen knapp 22 Minuten Lebenszeit kostet. Wer jetzt nicht handelt, spielt also mit den Leben seiner Mitarbeiter. Es muss also ein vollkommener Neuanfang in der Büroorganisation her, in der Arbeit und Bewegung miteinander verschmelzen. Daher auch der Name ACTIVE OFFICE®.

 

Das ideale ACTIVE OFFICE® besteht aus zwei gleichwertig ausgestatteten Arbeitsflächen, eine für das Arbeiten im Stehen und die andere für die Arbeit im Sitzen ausgerichtet. Beide Arbeitsflächen sind bis auf Monitore und Eingabegeräte leer, die Ablage und Bürogegenstände wie Locher, Tacker etc. befinden sich in einem Organisationsmöbel im Rücken oder seitlich der Mitarbeiter. Dazwischen befindet sich der Bewegungsraum, in dem sich die Arbeit abspielt. Nun wird die Arbeit so organisiert, dass ständig zwischen Sitzen, Stehen und dem Organisationsmöbel gewechselt wird. Auf diese Weise wird aus einem ehemals starren Arbeitsplatz ein Bewegungsraum.

 

Standardmäßig kommt das ACTIVE OFFICE® mit einem softwaregestützten Tracker-System. Zwei moderne Sensoren messen per Ultraschall die Präsenz und Distanz des Mitarbeiters. Auf diese Weise lässt sich körperlich die Aktivität des Mitarbeiters festhalten, die Software errechnet aus den Daten der Tracker einen Dynamik-Faktor. Je höher dieser ist, desto effektiver nutzt der Mitarbeiter sein ACTIVE OFFICE®. Bei zu großer Inaktivität erinnert das System via Kontrollleuchte, wieder die Position zu wechseln.

Welche Vorteile bringt das ACTIVE OFFICE® mit sich?

Unsere Körper sind für Bewegung gemacht, diesen genetischen Code tragen wir seit vielen Tausend Jahren in uns, als der Mensch als Jäger und Sammler um sein Überleben kämpfte. Wird das Konzept ACTIVE OFFICE® konsequent gelebt, verbessert sich die gesundheitliche Verfassung der Mitarbeiter eklatant. Die ständige Bewegung sorgt für eine spürbar bessere Haltung und die kognitive Leistungsfähigkeit steigt an. Das Plus an Bewegung sorgt auch für eine höhere Sauerstoffsättigung im Blut, so wird zum Beispiel das Gehirn dadurch leistungsfähiger. Auch der Metabolismus, also der Stoffwechsel, wird angeregt. Darüber hinaus wird im ACTIVE OFFICE® die Muskulatur gestärkt. Ob Beine, Rumpf-, Bauch, oder Rückenmuskulatur, das gesamte körperliche Wohlbefinden verbessert sich.

 

Mit der Ausstattung von Arbeitsplätzen als ACTIVE OFFICE® setzen Unternehmer für aktuelle und potenzielle Mitarbeiter auch ein wichtiges Zeichen. Die Investition symbolisiert, dass man sich um die Gesundheit der Mitarbeiter sorgt und alles dafür tun möchte, dass sie gesund und engagiert bleiben. Das ist ein nicht zu unterschätzender Motivationsfaktor. Darüber hinaus ist ein moderner Arbeitsplatz ein wichtiger Aspekt im ‚War for Talents‘. Unternehmen müssen sich heutzutage immer mehr einfallen lassen, um Talente, High Potentials und Experten für sich zu gewinnen. Ein hohes Gehalt ist weniger wichtig als ein Arbeitgeber, der sich glaubhaft für die Gesundheit seiner Mitarbeiter einsetzt.

 

Der Nutzen des ACTIVE OFFICE® Konzepts wurde auch durch den unabhängigen Verein Aktion Gesunder Rücken bestätigt. Ein Gremium aus Medizinern und Gesundheitsexperten hat dem ACTIVE OFFICE® das AGR-Gütesiegel verliehen.

Was bieten Sie Ihren Kunden konkret an?

Neben unserer hochwertigen Hardware helfen wir unseren Kunden auch dabei, das ACTIVE OFFICE® ins Daily Business zu integrieren. Insbesondere Angestellten, die seit 10, 15 Jahren auf einem – vielleicht sogar dem selben – Bürostuhl gesessen haben, muss der Nutzen dieser neuen Arbeitsorganisation aufgezeigt und die Umsetzung beigebracht werden. Wir begleiten Unternehmen bei diesem Change-Prozess.

 

Herzstück des ACTIVE OFFICE® ist unser Schreibtischsystem aus zwei Arbeitsflächen. Wir bieten aber auch größere Varianten an, erweitert um sinnvolle Technik. So haben wir zum Beispiel ein Tracker-System entwickelt, das den Benutzer daran erinnert, regelmäßig die Position zu wechseln. Für die Zukunft planen wir eine Vielzahl weiterer ergänzender Lösungen, die das Arbeiten im ACTIVE OFFICE® noch alternativloser als ohnehin machen.